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Sonntag, 11. April 2010

seele baumeln lassen



Selten gehe ich auf Konzerte, für die ich, wenn überhaupt, mehr als ein paar wenige Euronen als Eintrittspfand bezahlen muss. Gestern brach ich diese Routine - für Yann Tiersen.

Schon vor ein paar Wochen drang das Gerücht eines Auftritts im UT an mein Ohr, die Kartenreservierung wäre ja nicht bindend gewesen, aber zu mehreren machen Konzerte allgemeinhin mehr Spaß. Bis spätestens um 9 sollten die Tickets abgeholt sein, also traf man sich vorher zum gemeinsamen Umtrunk und wanderte gegen 8:30 Uhr im leichten Nieselregen die Karli hinunter. Je näher man dem Ort des Geschehens kam, desto größer und lauter wurde die Menschenansammlung. Die Schlange Naiver, welche auf Abendkassekarten hofften, schlängelte sich fast bis zum Kreuz. Der Regen wurde etwas beständiger und wir liefen frohen Mutes an den Massen vorbei zum Eingang. Natürlich ohne zu ahnen, dass uns der größte Kraftakt noch bevorstand. Das 'sich-durch-die-am-Eingang-stehende-Menge-Drängeln'. Feindselige Blicke und nach Eingeweiden lechzende Hände streiften uns als die Versammelten vier weitere Karten vor ihren Augen verschwinden sahen.
Irgendwann waren wir dann aber endlich drin, hatten bezahlt, hielten ein Bier in der Hand und standen - genau neben den Toiletten...wunderbar. Nichtsdestotrotz waren wir froh, wir fühlten uns gut (und auch ein wenig überlegen) und als nach einer weiteren halben Stunde der Meister und seine Band die Tournee nun tatsächlich beauftakteten ergatterte ich einen photo- und soundtechnisch äußerst lukrativen Platz. Selbstverständlich nur, wenn man keinen Wert darauf legt, den restlichen Abend noch irgendetwas zu hören, denn ich stand genau neben den großen, vibrierenden und sehr, sehr lauten Lautsprecherboxen am rechten Bühnenrand (vom Publikum aus gesehen). In dieser Position kann selbst Yann Tiersens Musik einen Hörsturz verursachen - und glaubt mir, ich war sehr nah dran.
Das Konzert an sich: mir hat es gefallen, sehr sogar. Als musikalischer Totalausfall wage ich es nicht mir ein qualitatives Urteil zu erlauben. Als reiner Zuhörer und Zuschauer war es wundervoll. Jedoch nicht wirklich eine Bühnenperformance. Den ganzen Auftritt über sprach Tiersen nicht mehr als sechs Worte zum Publikum ('Danke.' und 'Dankeschön.'). Es wirkte als spielten sie alle mehr für sich selbst als für die Masse. Die Augen geschlossen in tiefer Konzentration. Tiersens Mundwinkel zuckten bei jeder neuen Note als wäre er selbst nicht ganz sicher gewesen, ob er sie treffen würde. Die Instrumente wurden umarmt, gestreichelt, zärtlich liebkost - das Mischpult zwischendrin regelrecht massiert (wenigstens sah es von unten so aus). 
Auch wenn sein T-Shirt es behauptete, lieblos spielte er keinesfalls. Wenn das Licht richtig fiel und der rote Scheinwerfer genau zielte, strahlte eine leicht teuflische Aura um das ganze Spektakel.
Die Menge starrte fasziniert nach vorn, vereint in verehrender Aufmerksamkeit. Löste man seinen Blick von der Bühne und schaute, den Kopf unbequem verdreht, durch den Saal, fühlte man sich wie ein Ausbrechender. Ein dunkler Fleck auf dem weißen Tuch der gebannten Hingabe an die Musik.
Als der Arm zu schwer wurde um weiterhin Photos und Videos aufzunehmen konnte auch ich mich von der Musik mitreißen lassen, die Augen schließen und im Takt hin und her wanken. Irgendwie war es dann aber auch plötzlich schon wieder vorbei. Wir traten aus dem dunklen Bauch des UT hinaus ins dunkel der Nacht und hatten noch die letzte Violinenmelodie im Ohr. Oder war es doch nur das Fiepen der Lautsprecher?
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Eins noch. Irgendwie sieht er älter aus, als er ist. Finde ich.

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